Ich komme gerade von einer Lesung. In der Belle Etage hat Blanche Kommerell aus Texten von und über Annemarie Schwarzenbach gelesen. Und dabei ist “gelesen” verdammt untertrieben.
Generell habe ich bei Lesungen das gleiche Problem wie bei Hörspielen: Ich liebe sie irgendwie, aber wenn ich nicht grad puzzle, schaltet nach wenigen Minuten mein Hirn mein Gehör ab und geht entweder in den Schlafmodus über oder auf wilde Gedankenjagd, Jagd nach Gedanken, die ihre Auslöser gern und ständig auch in einzelnen Worten finden, die in Lesung oder Hörspiel auftauchen.
Nicht so diesmal. Obwohl ich extrem übermüdet war, blieb ich die ganze Lesung über anwesend. Gedanklich. Vielleicht, weil die Lesung zwischendrin vom Sohn (?) am Klavier begleitet bzw. untermalt wurde. Vielleicht auch nicht. Vielleicht war es einfach die Art von Blanche Kommerell, die Texte vorzutragen. Sie hat mich jedenfalls nicht verloren. Und das heißt, selbst bei Annemarie Schwarzenbach, was.
Im Titel steht mein Lieblingszitat von Annemarie. Es stammt aus der Lyrischen Novelle. Aus dem Kopf zitiert, geht die Stelle ungefähr so:
“Vielleicht hat sie einen Menschen nötig.”
“Wir haben alle einen Menschen nötig.”
Das ist SO wahr, finde ich.